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Zweite Heimat in Mönchengladbach

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Die 18-jährige Madison hat mit dem Parlamentarischen-Patenschafts Programm des Deutschen Bundestages und des amerikanischen Kongresses ein Jahr in Mönchengladbach gelebt. An dieser Stelle berichtet sie, wie es ihr in den letzten 12 Monaten in Deutschland ergangen ist.

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ – Ludwig Wittgenstein, Österreichischer Philosoph

Es stimmt: Die Sprache ist der Schlüssel, mit dem man mit anderen Menschen kommunizieren und in eine neue Kultur eintauchen kann. So hat man auch die Möglichkeit, neue Perspektiven kennenzulernen und die eigene Welt zu vergrößern. Personen, die vorher nichts miteinander zu tun hätten, können von einer gemeinsamen Sprache zusammengebracht werden. Diese Beziehungen machen die Welt kleiner und die Menschen offener. Gerade in der heutigen Zeit sind solche interkulturellen Begegnung und damit auch das Parlamentarische-Patenschafts Programm besonders wichtig.

Meine Welt hat sich dadurch, dass ich Deutsch gelernt habe, tatsächlich vergrößert. Die Sprache hat es mir ermöglicht, mich mit deutschen Erwachsenen und Jugendlichen zu unterhalten und sie wirklich zu verstehen. Als ich die Menschen kennengelernt und gesehen habe, wie nett sie waren, haben sie einen sehr positiven Eindruck bei mir hinterlassen und ich hoffe, dass auch ich ein positives Bild hinterlassen kann. Die Menschen, die ich hier getroffen habe, trugen dazu bei, dass Deutschland mein zweites Zuhause geworden ist und dafür bin ich unglaublich dankbar.

Doch anfangs, als ich im August 2016 in Deutschland angekommen war, war die Situation eine ganz andere. Es fühlte sich an, als ob Kalifornien und Deutschland ganz andere Welten wären. Damals war ich sehr nervös: Würde ich es schaffen? Ein ganzes Jahr lang ohne meine Familie und Freunde in einer neuen Kultur und in einem neuen Zuhause? Und dann auch noch die neue Sprache. Davor hatte ich besondere Angst. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie lange es dauern würde, bis ich alles verstehen könnte. Würde ich jemals richtig Deutsch sprechen können? Als ich herkam, konnte ich kein Wort Deutsch, außer „Ich heiße Madison und komme aus Kalifornien“. Jetzt muss ich mich leider verabschieden, das ganze Schuljahr ist mit vielen schönen Momenten vergangen.

Das wäre nicht möglich gewesen ohne meine Familie, meine zweite, deutsche Familie, meine ich. Sie sind jetzt auch meine Familie. Sie haben sehr viel für mich getan. Erstens und am wichtigsten: Sie haben mich mit offenen Armen in ihrer Familie und in ihrem Haus aufgenommen. Ohne sie hätte ich vielleicht aufgegeben. Außerdem hatten sie viel Geduld mit meinem anfangs sehr schlechten Deutsch. Sie korrigierten mich mit der richtigen Häufigkeit: Nicht so oft, dass ich mich schlecht gefühlt habe, aber auch nicht so wenig, dass ich schlechtes Deutsch gelernt hätte. Sie brachten mir auch deutsche Kultur und Traditionen näher, wie Sankt Martin und haben für mich deutsche Gerichte gekocht, bis hin zu Sauerbraten vom Pferd. Wir haben zusammen viel Schönes erlebt: Meine Burgsammlung, 13 bis jetzt, der Urlaub auf der Insel Borkum, die gemeinsamen Momente bei gutem Wetter am Rhein und noch vieles mehr – die Liste lässt sich lange fortsetzen. Besonders Weihnachten war eine wundervolle Zeit, als ich mich als Teil der Familie gefühlt habe. All das werde ich nie vergessen, mein Aufenthalt hat mich sehr geprägt.

Mein Jahr in Deutschland wäre auch ganz anders verlaufen ohne meine Lehrer, die mich immer unterstützt haben. Ich hatte zuvor von ehemaligen Teilnehmenden des Austauschprogrammes gehört, dass sich die Lehrer nicht um mich kümmern würden, doch ich konnte das Gegenteil erfahren. Sie waren immer verständnisvoll und haben wahrgenommen, wie schwierig es manchmal für mich war und Rücksicht genommen, besonders am Anfang. Die Lehrerin meines Deutsch-Leistungskurses hat mir zum Beispiel eine englische Version des Buches, das wir gelesen haben, gekauft, damit ich im Unterricht mitmachen konnte. Außerdem bin ich ein richtiger Teil der Stufe in meiner Schule geworden. Ich habe Freundschaften geschlossen, die mich getröstet haben, wenn ich traurig war oder Heimweh hatte.

All die netten Menschen von meinem zweiten Zuhause werde ich vermissen, meine Nachbarn, meine Freunde, meine Lehrer und meine Gastfamilie, mit denen ich bei meinem Aufenthalt wunderbare Momente erlebt habe. Ihnen habe ich es zu verdanken, dass ich heute sagen kann: ,,Ich bin eine Deutsche“.

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